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Gesellschaftervereinbarung: das Wichtigste für Mitgründer

Unter Mitgründern funktionieren mündliche Absprachen, solange alles gut läuft. Die Gesellschaftervereinbarung ist genau für schwierige Momente da. Dieser Ratgeber fasst das Wichtigste zusammen, damit Sie das Gespräch mit Ihren Mitgründern und Ihrer Beratung vorbereiten können. Er ist keine Rechtsberatung.

Aktualisiert am 5 Min. LesezeitVom EasyCofounder-Team

Kurz gesagt

Eine Gesellschaftervereinbarung ist ein Vertrag zwischen Gesellschaftern, der die Satzung (den Gesellschaftsvertrag) ergänzt und ihre Beziehungen regelt: Entscheidungsfindung, Ein- und Austritt von Gesellschaftern, Schicksal der Anteile beim Ausscheiden, Wettbewerbsverbot oder geistiges Eigentum. Sie ist in der Regel vertraulich und sollte möglichst mit anwaltlicher Unterstützung erstellt werden, idealerweise dann, wenn sich die Gesellschafter gemeinsam binden.

Inhalt
  1. Was ist eine Gesellschaftervereinbarung?
  2. Was unterscheidet Satzung und Gesellschaftervereinbarung?
  3. Welche Klauseln sind unter Mitgründern üblich?
  4. Wann schließen Sie eine Gesellschaftervereinbarung ab?
  5. Wie bereiten Sie das Gespräch unter Gesellschaftern vor?
  6. Was passiert ohne Gesellschaftervereinbarung?
  7. Welche Fragen stellen Sie Ihrer Anwältin oder Ihrem Anwalt?
  8. Häufige Fragen
  9. Glossar
  10. Über diesen Ratgeber

Was ist eine Gesellschaftervereinbarung?

Eine Gesellschaftervereinbarung (auch Beteiligungsvereinbarung oder schuldrechtliche Nebenabrede genannt) ist ein Vertrag zwischen allen oder einem Teil der Gesellschafter eines Unternehmens. Sie ergänzt die Satzung um Regeln, die das Verhältnis der Gesellschafter und ihre gegenseitigen Pflichten festlegen.

Sie ist nicht vorgeschrieben, in Startups aber sehr verbreitet, vor allem sobald es mehrere Mitgründer gibt oder Investoren einsteigen.

Die Vereinbarung ist ein Instrument der Vorsorge: Es geht weniger darum, sich vor den anderen Gesellschaftern zu „schützen“, als vor der Bindung zu prüfen, ob alle die Spielregeln gleich verstehen. Beim gemeinsamen Ausarbeiten zeigen sich oft unterschiedliche Erwartungen an Vergütung, Zeiteinsatz oder einen späteren Verkauf des Unternehmens.

Was unterscheidet Satzung und Gesellschaftervereinbarung?

Satzung und Gesellschaftervereinbarung
Satzung (Gesellschaftsvertrag)Gesellschaftervereinbarung
CharakterFür die Gründung vorgeschriebenFreiwillig
ÖffentlichkeitBei der GmbH notariell beurkundet und im Handelsregister einsehbarIn der Regel vertraulich
InhaltGrundregeln für die Organisation der GesellschaftDetailliertere Pflichten zwischen den Gesellschaftern
BeteiligteBindet alle GesellschafterDie Gesellschafter, die ihr beitreten

Welche Klauseln sind unter Mitgründern üblich?

Der Inhalt hängt vom jeweiligen Projekt ab. Diese Themen werden in Startups am häufigsten geregelt:

Entscheidungen und Governance

Wer entscheidet was, welche Entscheidungen Einstimmigkeit oder eine Mehrheit erfordern und wie Pattsituationen aufgelöst werden.

Ausscheiden eines Gesellschafters

Was mit den Anteilen eines Mitgründers geschieht, der das Unternehmen verlässt, je nach den Umständen (oft „Good Leaver“ oder „Bad Leaver“ genannt), und wie dies mit einem etwaigen Vesting zusammenhängt.

Eintritt neuer Gesellschafter

Vorkaufsrechte der bisherigen Gesellschafter sowie Regeln für Finanzierungsrunden und Anteilsübertragungen.

Pflichten der Gesellschafter

Exklusivität, Wettbewerbsverbot, Vertraulichkeit, Zeiteinsatz für das Projekt.

Geistiges Eigentum

Die Übertragung von Code, Marken, Inhalten und Erfindungen der Mitgründer auf die Gesellschaft.

Exit und Verkauf

Die Regeln für den Fall eines Übernahmeangebots, zum Beispiel Mitverkaufspflicht (Drag-Along) und Mitverkaufsrecht (Tag-Along).

Wann schließen Sie eine Gesellschaftervereinbarung ab?

So früh wie möglich nach der Entscheidung, sich zusammenzutun: bei der Gründung der Gesellschaft oder beim Eintritt eines neuen Mitgründers. Je länger Sie warten, desto mehr verhärten sich die Positionen und desto heikler wird das Gespräch.

  1. 1Gemeinsam die zu regelnden Themen auflisten (Rollen, Entscheidungen, Ausscheiden, geistiges Eigentum).
  2. 2Die Antworten unter Gesellschaftern ohne Juristen besprechen, um sich über den Geist zu einigen.
  3. 3Diese Absprachen von einer Anwältin oder einem Anwalt in passende Klauseln übertragen lassen.
  4. 4Gegenlesen, alle Fragen stellen und dann unterschreiben (gegebenenfalls beim Notar).
  5. 5Die Vereinbarung bei wichtigen Etappen aktualisieren (neuer Gesellschafter, Finanzierungsrunde).

Wie bereiten Sie das Gespräch unter Gesellschaftern vor?

  • Jede Person hat ihre Erwartungen geäußert: Rolle, Vergütung, Ambition, verfügbare Zeit.
  • Die Entscheidungen, die die Zustimmung aller erfordern, sind benannt.
  • Der Fall, dass ein Gesellschafter ausscheidet, wurde in Ruhe besprochen.
  • Die Rechte an Code, Marken und Inhalten sind geklärt.
  • Eine juristische Fachperson für die Ausarbeitung ist ausgewählt.
Beispiel

Drei Mitgründer nehmen sich einen halben Tag Zeit, um gemeinsam und schriftlich eine Liste von Fragen zu beantworten: Was passiert, wenn einer von uns in einem Jahr aussteigen will? Wenn wir ein Übernahmeangebot erhalten? Wenn wir uns über eine Finanzierungsrunde nicht einig sind? Mit gemeinsamen Positionen gehen sie anschließend zu ihrer Anwältin – das erleichtert die Ausarbeitung.

Was passiert ohne Gesellschaftervereinbarung?

Ohne Vereinbarung gelten nur die Satzung und die allgemeinen Regeln des Gesellschaftsrechts. Viele typische Situationen in einem Startup sind dann womöglich nicht geregelt:

  • Ein Mitgründer verlässt das Unternehmen früh, behält aber alle Anteile.
  • Zwei gleich beteiligte Gesellschafter können eine wichtige Entscheidung nicht treffen.
  • Code oder Marke wurden von einem Gesellschafter geschaffen, ohne klare Übertragung auf die Gesellschaft.
  • Ein Übernahmeangebot spaltet die Gesellschafter, ohne Regel für die Entscheidung.

Solche Situationen nachträglich zu klären, wenn die Beziehungen bereits angespannt sind, ist für das Unternehmen in der Regel langwieriger, teurer und riskanter, als sie von Anfang an zu regeln.

Welche Fragen stellen Sie Ihrer Anwältin oder Ihrem Anwalt?

Mit konkreten Fragen wird die Beratung effizienter:

  • Wie stimmen wir die Vereinbarung mit der Satzung unserer Gesellschaft ab?
  • Wie gestalten wir ein Vesting unter uns?
  • Welche Regeln gelten, wenn ein Gesellschafter ausscheidet, je nach den Umständen?
  • Wie sichern wir geistiges Eigentum, das vor der Gründung entstanden ist?
  • Was müssen wir bei einer künftigen Finanzierungsrunde ändern?
  • Welche Teile der Vereinbarung müssen notariell beurkundet werden?

Zur Vorbereitung der Beteiligungsfrage: Anteilsverteilung unter Mitgründern. Um Ihre Mitgründer zu finden: Mitgründer finden.

Häufige Fragen

Ist eine Gesellschaftervereinbarung Pflicht?

Nein, sie ist freiwillig. In Startups ist sie dennoch sehr verbreitet, weil sie Situationen im Voraus regelt, die die Satzung nicht im Detail behandelt.

Ist die Gesellschaftervereinbarung öffentlich?

In der Regel nicht: Anders als die Satzung einer GmbH, die im Handelsregister einsehbar ist, bleibt die Vereinbarung meist vertraulich zwischen den Beteiligten.

Kann ich eine Gesellschaftervereinbarung ohne Anwalt aufsetzen?

Es gibt Vorlagen, doch eine schlecht formulierte Vereinbarung kann unwirksam sein, der Satzung widersprechen oder eine erforderliche notarielle Form verfehlen. Es wird dringend empfohlen, sie anwaltlich erstellen oder prüfen zu lassen.

Wann sollte die Gesellschaftervereinbarung geändert werden?

Bei wichtigen Etappen im Leben des Unternehmens: Eintritt oder Ausscheiden eines Gesellschafters, Finanzierungsrunde, organisatorische Veränderungen. Änderungen setzen grundsätzlich die Zustimmung der Beteiligten voraus.

Wer sollte die Gesellschaftervereinbarung unterschreiben?

Grundsätzlich die Gesellschafter, die an ihre Regeln gebunden sein wollen. In Startups unterschreiben üblicherweise alle Mitgründer, und Investoren treten bei ihrem Einstieg bei.

Kann eine Gesellschaftervereinbarung einen Minderheitsgesellschafter schützen?

Ja, sie kann zum Beispiel Informationsrechte, zustimmungspflichtige Entscheidungen oder faire Ausstiegsbedingungen vorsehen. Der genaue Inhalt hängt von den Verhandlungen ab und sollte anwaltlich ausgearbeitet werden.

Glossar

Gesellschaftervereinbarung
Vertrag zwischen Gesellschaftern, der die Satzung ergänzt und ihre Beziehungen regelt.
Satzung (Gesellschaftsvertrag)
Gründungsdokument der Gesellschaft, das ihre Grundregeln festlegt.
Good Leaver / Bad Leaver
Unterscheidung zwischen einem „akzeptablen“ und einem „schuldhaften“ Ausscheiden eines Gesellschafters, mit unterschiedlichen Folgen für seine Anteile.

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Über diesen Ratgeber

Dieser Ratgeber wurde vom Team von EasyCofounder verfasst – einer Plattform, die Gründerinnen und Gründer, Talente und Startups zusammenbringt (ein Service von IRPEA) – und zuletzt am 4. November 2026 aktualisiert. Er stützt sich auf gängige Praxis bei Unternehmensgründungen und auf die Fragen unserer Mitglieder.

Er bietet allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Für Ihre konkrete Situation wenden Sie sich bitte an eine Fachperson (Rechtsanwalt, Steuerberater) und an die offiziellen Informationsangebote in Ihrem Land.